Nuhr noch blöd

24. Juli 2026

 

fotoMan gerät schnell in die Ecke der Überempfindlichen, der Weinerlichen oder all jener, die in jeder öffentlichen Äußerung eine Auslegung finden, die natürlich stets so nie gemeint war. Dabei ist es ganz einfach. Es gibt Dinge, die sagt man nicht.

Was war geschehen? Gestern zappte ich noch ein wenig im Fernsehprogramm umher und blieb für einen Moment bei »Inas Nacht« hängen. Just in dem Moment, als in der Sendung bei Minute 23:30 auf die Frage von Ina Müller »Bist Du noch nie einen Marathon gelaufen?« Herr Nuhr »Marathon läuft man nur, wenn untenrum nicht mehr so richtig geht.« antwortet.

Ina Müller lacht, das Publikum lacht, der Shantychor singt »lustig, lustig, selten ham wir so gelacht, denn wir sind bei Inas Nacht, ha, ha , ha, ha, haah.«, was in der Regel bei besonders gelungenen Pointen geschieht.

Ich schalte ab und mag sehr schwer von Begriff sein, aber ich konnte nicht lachen. Was ist die Pointe? Wo ist der Witz?

Ist ein Marathonlauf nicht furchtbar anstrengend? Ich laufe nicht Marathon. Möglicherweise wollte Herr Nuhr uns nur umständlich zu verstehen geben, dass bei ihm noch alles Fit im Schritt ist. Nicht, dass danach gefragt worden oder es sonst von Interesse wäre.

Jedenfalls tut seine Äußerung natürlich zuallererst den allermeisten Marathonläufern Unrecht obwohl vielleicht mancher tatsächlich Marathon läuft, um sich und anderen zu zeigen, dass er es sogar trotz gewisser Widrigkeiten kann.

Einen Tag später kommt mir die Szene wieder in den Sinn. Warum bietet die ARD einem so peinlichen Menschen eine Bühne? Das ist nicht Comedy, nicht Satire, es ist geschmacklos unlustig. Herr Nuhr hat mit so etwas ein enormes Publikum und nimmt damit viel Geld ein. Manche von uns wenden sich angewidert ab während die Massen begeistert in die Hände klatschen.

Klar. Es es ist billig und einfach, über Menschen herzuziehen, bei denen »untenrum nicht mehr so richtig geht«. Wie über alle Menschen mit Behinderung oder auch über gebrechliche Menschen. Sie können manche Dinge nicht, sind nicht »normal«. Es ist letztlich das Anderssein, die Minderheit, über die sich die Masse erhebt. »Sieh dir den an, ha, ha, ha.« Keine Spur von Empathie im Hinblick auf die Frage, was jenen Menschen durch ihr Anderssein vielleicht fehlt. Oder vielleicht auch nicht.

Niemand möchte der Projektion von Schwächen und Ängsten einer dummen, ignoranten Masse dienen und unzutreffenderweise jener Masse damit ein Gefühl von Überlegenheit und Stärke verschaffen.

Wer wie Herr Nuhr denkt, handelt und spricht, ist ein armer, kleiner Wicht (huch, jetzt schreibe ich schon in Reimen).

Da im Fernsehen nun geklärt wurde, dass es bei Herrn Nuhr untenrum noch so richtig geht und er im Zuge dessen erkennbar machte, wes Geistes Kind er ist, kann wohl, ohne ihn womöglich damit zu überfordern, gesagt werden: Fick dich, Dieter.

Bild:
Frankfurt, Juli 2024
Summicron-M 28, Kodak Portra 160
© Ulrich Hilger

Ulrich schrieb 26.07.2026 16:21

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