21. Juli 2026
Inhalte hier im Journal sind letzthin ziemlich Fotografie-lastig, aber so ist das nunmal. Je nach aktuellem Interesse ist der Schwerpunkt mal hier und mal da und die Fotografie ist für mich auch dann ein großes Thema, wenn es hier im Journal mal nicht so präsent ist.
Wie auch immer, neulich fiel mir nachträglich ein Fehler in manchen meiner Journal-Beiträge hier auf. Nicht so dramatisch, aber ich schreibe mal direkt herunter, was mir dazu in den Sinn kommt.
Warnung: Technik-Kram, nur beachten, wenn es interessiert.
In der Regel schreibe ich hier im Journal bei Fotografien dazu, wann und wo eine Aufnahme entstand. Auch der verwendete Film ist angegeben, wenn ich mich erinnern kann.
Neulich fiel mir auf, dass ich einige Fotografien hier im Journal falsch beschriftet habe. Sie waren nicht auf Portra 400 sondern Kodak Ultramax entstanden. Jetzt lasse ich das aber so, weil eine Berichtigung der Beiträge deren Datum ändert und dann erscheinen im Feed lauter neue Einträge, die gar keine sind.
Es wirft aber ein kurzes Schlaglicht auf einen Umstand beim Fotografieren auf Film. Wenn man nicht alles gleich aufschreibt und eine Form der Ablage findet, die es zuverlässig erlaubt, die Notizen den Bildern zuzuordnen, ist es für länger zurückliegende Bilder schwierig, die grundsätzlichen Informationen wie Entstehungsdatum und -ort, Filmtyp, usw. nachzuhalten.
Schon klar, Digitalkameras zeichnen das automatisch auf und speichern es in den EXIF-Daten. Aber das hilft nicht, wenn es Fotografie auf Film bleiben soll. Ist vielleicht auch nicht so wichtig. Für die jeweilige Fotografie als solche ändert es ohnehin nichts. Nachfolgend dennoch eine weiter gehende Betrachtung.
Das mit den Filmtypen und anderen technischen Angaben zum Bild hat den Hintergrund, bei Bedarf nachvollziehen zu können, welche Mittel Einfluß auf das Ergebnis hatten. Die Chemie eines Films und das verwendete Objektiv haben einen direkten Einfluss und begrenzen mit diesem Einfluss auch bestimmte Möglichkeiten. Gerade die Lichtempfindlichkeit sowie die teils daran geknüpfte Farbwiedergabe eines Films kann eine erhebliche Einschränkung sein, mit der handwerklich entsprechend umgegangen werden muss. Die verwendete Kamera eher nicht, weshalb es bisweilen kurios ist, dass die Frage nach der verwendeten Kamera so oft aufkommt.
Denkt man noch weiter drüber nach, kommt die Frage nach der Kamera vermutlich daher, dass »moderne« Kameras jede Menge Hilfsmittel enthalten. Da kann es dann doch von Interesse sein, welche Kamera das Bild gemacht hat, denn so ist es damit dann auch oft: Nicht mehr der Fotograf macht das Bild sondern die Kamera.
Dabei sind es nur vier Eigenschaften, die der Fotograf beeinflussen kann: Blende, Belichtungszeit, Fokus und Lichtempfindlichkeit. Nichts davon sollte einer Automatik überlassen sein und richtig angewendet muss eine Einstellung dieser Parameter von Hand auch kein Nachteil sein, im Gegenteil.
Während die Lichtempfindlichkeit beim Fotografieren auf Film vom eingelegten Film vorgegeben ist, sind Fokus, Blende und Zeit bei meinen Bildern immer manuell eingestellt, bei jeder Aufnahme. Deshalb ist die Angabe der verwendeten Kamera nebensächlich und ohnehin habe ich nur zwei im ständigen Gebrauch, eine M6 und eine MP. Beide übrigens seinerzeit gebraucht erworben, aber immernoch im besten Zustand.
Warum zwei Kameras? Weil ich immer nur mit einer Kamera und einem Objektiv dran losgehe. Ich möchte stets passende Filmtypen für schwaches Licht und starkes Licht schussbereit haben. Mit zwei Kameras kann man die M6 mit 800er Film am Abend mitnehmen und die MP mit 250er oder 400er bei Tage, ohne, dass eine in der Kamera verbliebene halb verbrauchte Filmrolle des »falschen« Typs das verhindert.
An dieser Stelle könnte noch vieles zum Umgang mit manuellen Einstellungen folgen, aber das ist dann in einem separaten Beitrag besser aufgehoben, sonst wird aus diesem hier ein Fachbuch.
Das war jetzt viel Geplauder aus dem Nähkästchen, das für digitale Fotografie meistenteils nicht mehr zutrifft. Digitale Kameras und deren digitale Bilder haben im RAW-Format so viel Spielraum, dass all das eigentlich kaum mehr eine Rolle spielt. Der Entstehungsprozess ist bei digitalen Bildern umgekehrt, der Fotograf betätigt nur noch den Auslöser, den Rest macht die Kamera und 95% des für den Betrachter sichtbaren Bildergebnisses entsteht in der Nachbearbeitung.
Als Beispiel hierfür sei die Funktion »Auto-ISO« vieler Kameras genannt. Ganz gleich, welche Blende und welche Zeit vorgewählt ist, passt die Kamera bei jeder Auslösung die Lichtempfindlichkeit den Lichtverhältnissen so an, dass das Bild mit den voreingestellten oder aber auch den automatisch von der Kamera zugesteuerten Werten für Blende und Zeit richtig belichtet wird. Inzwischen ist der Empfindlichkeitsumfang der Digitalkameras so hoch, dass mit dieser Vorgehensweise so gut wie nie Situationen erreicht werden, bei denen ein Bild zu dunkel oder zu hell bleibt und auch das Bildrauschen bei schwierigen Lichtverhältnissen gehört in den meisten Situationen der Vergangenheit an.
Von diesen Eigenschaften profitieren auch die Handy-Nutzer. Es muss nur noch der Auslöser betätigt werden.
Die Tätigkeit des Fotografen ist von ebensolcher Bedeutung wie beispielsweise eine Schreinerarbeit versus einem Ikea-Schrank, ein Maßschuh gegenüber einem Nike-Sneaker, eine rein mechanische Uhr im Vergleich zu einer Swatch oder eine selbst zubereitete Mahlzeit aus Lebensmitteln aus natürlichem Anbau anstelle einer Tütensuppe.
Es geht um die Frage des Anteils von Mensch und Maschine. Wie weit der Einsatz von Hilfsmitteln die Charakteristik von Werkzeugen hat, die ein Mensch handhabt, um zu seinem Ziel zu kommen und wie im Gegensatz dazu die Automatisierung ein Eigenleben ergibt, das den Faktor Mensch schlußendlich ersetzt. Und auch, welche Ergebnisse dabei herauskommen sowie inwieweit eine breite Öffentlichkeit in der Lage ist, jene Ergebnisse noch zu erkennen oder wertzuschätzen.
Erkennbarkeit und Wertschätzung gehen hierbei Hand in Hand. Fotografien auf Film sind durchaus als solche erkennbar, werden aber dennoch in den allermeisten Fällen nicht als solche erkannt. Stattdessen gibt sich eine breite Öffentlichkeit mit Bildmaterial zufrieden, das weit unter dem bleibt, was Fotografie auf Film einmal bot und weiterhin bieten kann, wenn sie denn entsprechend wertgeschätzt würde, was sie überwiegend nicht wird.
Die Fotografie auf Film hat sich auch nach der Erfindung von digitaler Fotografie Eigenschaften bewahrt, die über das bloße Bildergebnis hinaus gehen. Zum einen ist das Praktizieren der Fotografie auf Film wie eh und je ein kultureller Wert für sich. Dieser kann gegen die digitale Fotografie ausgetauscht aber nicht von ihr ersetzt werden.
Zum anderen ergeben der Faktor Mensch und dessen handwerklicher Umgang mit der Fotografie auf Film sowie die daraus entstehenden Ergebnisse eine eigene Einheit. Maschinelle Fotografie gleich welcher Art steht dazu im Gegensatz und hat allenfalls noch den künstlerischen Part mit der Fotografie auf Film gemeinsam, aber eben nur in dem Maße, wie nicht bereits auch dieser von Maschinen übernommen wird.
Fotografien vermitteln dem Betrachter nicht, was der Fotograf handwerklich für deren Entstehung tat. Das muss für das Bild als solches auch nicht sein.
Man muss das nicht würdigen, aber es kann all jenen dargebracht werden, die es doch tun möchten.
Die technischen Zusammenhänge sind wichtig für den handwerklichen Teil der Entstehung von Bildern. Dennoch haben für jegliche Bildergebnisse Wahrnehmung, Sichtweise und gestalterische Tätigkeit des Fotografen stets den höheren Stellenwert.
In Zeiten von zunehmender maschineller Erzeugung von Bildern sind Schwerpunkte auf und Abgrenzungen zu menschlichem Schaffen in der Fotografie wichtiger denn je. Wenn dabei auch mal Fehler passieren, wie etwa die eingangs erwähnte Angabe des falschen Filmtyps, ist eine Darlegung des Entstehungsprozesses von Bildern unerlässlich für deren qualitative Einordnung und vor allem deren Authentizität.
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Die Fotografie hier im Beitrag hat inhaltlich keinen Bezug zum Text sondern begleitet diesen wieder eher als »Foto des Tages«. Es ergänzt die Rubrik »lebenszeichen« der Fotoseiten (Menü archiv - öffentl. raum - lebenszeichen), die sich mit dem Thema des Menschen in seiner zumeist selbst geschaffenen Umgebung beschäftigt.
Bild:
Frankfurt, Oktober 2024
Summicon-M 28, Kodak Portra 400
© Ulrich Hilger
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