Vom digitalen ins richtige Leben

5. April 2026

 

fotoWolgast war wie ausgestorben an jenem Tag. Wir streunten ein wenig in der Stadt herum bevor es uns zurück ans Wasser verschlug und wir vom Herumwandern schließlich hungrig wurden. Das Lokal »Peking« machte einen verheißungsvollen Eindruck, obwohl zunächst nicht klar war, ob es geöffnet hatte.

Wir waren die gesamte Zeit über die einzigen Gäste und genossen nicht nur die Speisen sondern auch die selten erlebte Ungestörtheit. Wann hat man beim Essen schon mal ein ganzes Lokal für sich allein? Dann kam auch noch die Sonne heraus und tauchte alles in strahlend fahles Winterlicht, das hinter der Scheibe sogar ein klein wenig Wärme entfaltete, während draußen die klirrende Kälte sich nicht davon vertreiben ließ.

Zu einer Zeit im Jahr, in der die ganze Welt in die eigenen vier Wände zurückgezogen zu bleiben scheint, lassen viele Orte nicht erkennen, welche Anziehung sie sonst auf Menschen ausüben. An jenem Tag schien es, als könnten wir so ziemlich überallhin gehen oder fahren, ohne auf Zeitgenossen zu treffen.

Eine ganz und gar endzeitliche Atmosphäre und zugleich ein Zustand, der in gewisser Weise auch an dieser Stelle im Journal für ein Weilchen einsetzt.

Die fortwährende Online-Präsenz ermüdet irgendwie. Gelegentlich ist es ganz schön, Dinge einfach zu tun, einfach nur so, ganz für sich selbst und ganz und gar ohne einen Mucks »nach draußen«. Und hie und da die Kamera auszulösen, wenn einem danach ist.

Bild:
Wolgast, Januar 2026
Kodak Ultramax, Summicron-M 28
© Ulrich Hilger

 





 

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