Ist man bei Volkswagen noch bei Trost?

5. März 2026

 

fotoEine neue Episode aus der beliebten »noch bei Trost«-Reihe: Volkswagen.

Autos müssen heutzutage eine Funktion haben, die notfalls Hilfe herbei rufen kann. Der TÜV erteilt keine Plakette, wenn die Funktion fehlt. 

Das wurde mir bewußt, als unser Auto meldete, dass die »SOS-Funktion« gestört sei und wir die Werkstatt aufsuchen müssten. Haben wir gemacht, dachten es sei keine große Sache und fuhren zur Abwechslung mal spontan bei der nächstliegenden Vertragsverkstatt von Volkswagen vorbei. Da sagte man uns, dass wir erst einen Termin für eine Diagnose benötigen und dass ein solcher erst in mehr als einem Monat frei sei.

Nunja, dachte ich mir, frage ich eben mal bei der freien Werkstatt, wo wir sowieso alle unsere Inspektionen machen lassen und bekam einen Termin in zwei Tagen. Das Auslesen der Fehlermeldung dauerte ca. 20 Minuten und besagt, dass die Batterie gewechselt werden muss. OK, prima, sagte ich, dann bitte wechseln.

Wie naiv man als Autokunde sein kann.

Unser Werkstattmensch erklärte mir in seiner unübertrefflich ruhigen, geduldigen und ebenso kundigen Art, dass jene Batterie ausschließlich von Volkswagen erhältlich sei, nicht etwa auch von anderen Batterieherstellern wie Varta oder so. Und dass Volkswagen die Batterie hinter dem »Kombiinstrument« tief im Armaturenbrett eingebaut hat. Man muss also das Armaturenbrett ausbauen und eine Herzoperation an der Fahrzeugelektrik vornehmen, um diese Batterie zu wechseln.

Irgendwie dachte man bei Volkswagen wohl, dass diese Batterie ohnehin nie kaputt geht und mithin ein Austausch nicht erforderlich werden würde (O-Ton Vertragshändler).

Wie naiv man als Autohersteller sein kann.

Nun warten wir aber erst einmal, dass diese Zauberbatterie überhaupt lieferbar wird. Denn offenbar - fun fact am Rande - ist sie nicht einfach nur bei unserem Auto kaputtgegangen sondern sehr zuverlässig bei vielen T6.1 Modellen zugleich. 

Durch eine unnötig komplizierte (Fehl-) Konstruktion fallen für all jene Kunden nun unverhältnismäßig hohe Kosten allein für den Ein- und Ausbau eines Teils an, das laut Hersteller eigentlich keines Austausches bedürfte (ca. 200€). Und zusätzliche Kosten für das Ersatzteil selbst (ca. 90€).

Nochmal in Worten: Neunzig (!) Euro allein für eine Batterie. Was macht die? Nach Alpha Centauri telefonieren?

Aus Sicht von VW ist das natürlich trotzdem kein Konstruktionsfehler. Nein, nein. Jedes Kind, das schonmal ein batteriebetriebenes Spielzeug besaß, weiß, dass ein Batteriewechsel nur eine Frage von Klappe auf, Batterie raus, Batterie rein, Klappe zu ist. Eine Transaktion, die jedes Kind selbst und ganz ohne Werkstatt hinbekommt.

Kinder ja, aber nicht Ingenieure von Volkswagen. Autos von Volkswagen sind keine Spielzeuge sondern hochkomplexe Maschinen. Die haben eine Motorhaube nur zum Spaß. Wie in: »Motorhaube? Wir wissen auch nicht, wofür die da ist. Wir bauen immer das Armaturenbrett aus, wenn wir irgendwo ran müssen. Das steht so in der Reparaturanleitung. Das hat der Hersteller so vorgesehen.«

Und nochmal O-Ton Vertragswerkstatt: »Wir konstruieren die Autos nicht. Das macht Volkswagen. Wir machen nur die Wartung nach Wartungsplan«.

Wer noch Fragen zum Zustand der deutschen Autoindustrie hat: kundenbetreuung@volkswagen.de

Bild:
Frankfurt, August 2024
Kodak Portra 160, Summicron-M 28
© Ulrich Hilger





 

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