17. Februar 2026
Deutsche Autohersteller preisen sich selbst ja gern als das Nonplusultra der industriellen Weltspitze. Das gibt für mich Anlaß unsere ganz eigene Wahrnehmung dazu zu schildern.
Wir sind schon einige Zeit begeisterte Bulli-Fahrer. T4, T5 und nun T6.1. Ohne, dass wir es beim Erwerb unseres aktuellen Modells erwartet hätten, wird diese Reihe aber nicht mehr fortgesetzt werden.
Der Volkswagen Transporter 6.1 erweist sich als der Letzte seiner Art. VW baut nur noch ein vollkommen anderes Fahrzeug, das nun »Multivan« heißt, aber mit dem bisherigen Multivan nichts mehr gemeinsam hat. Dasselbe gilt für den Transporter »T7«, der einfach ein Ford mit einem VW Logo ist, auch hier keine Gemeinsamkeiten mehr mit der Transporter-Modellreihe von einst, weder äußerlich noch unter der Haube.
VW hat seinen Markenkern stillschweigend und von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet zu Grabe getragen. Wer hätte gedacht, dass Volkswagen eine derartige Ikone freiwillig aufgeben würde?
Wobei es nicht um den Status als Ikone geht sondern - zumindest für uns - um die Eigenschaften: Kompakte Abmessungen und leistungsfähiges, robustes Innenleben. Der Formfaktor ist für uns das Entscheidende, weil wir gerade diesen Bulli schließlich ausgebaut als Wohnmobil nutzen. Seit der Einstellung der ursprünglichen Modellreihe gibt es nichts Vergleichbares mehr.
Unsere Befürchtungen, dass diese Schritte sich auch auf die Unterstützung der Kunden bei der Wartung längst ausgelieferter Fahrzeuge bemerkbar machen, bewahrheiten sich zu unserem Bedauern.
Wir lassen unser Auto beim Mechaniker unseres Vertrauens in Schuss halten, nicht beim Vertragshändler. Allerdings können manche Dinge nicht ohne VW und einen Vertragshändler durchgeführt werden und immer, wenn so etwas eintritt, ist es offensichtlich: Volkswagen ist an uns als Kunden nicht interessiert.
Die »Nutzfahrzeuge« werden von zusehends weniger Autohäusern gewartet. Deren Betreuungsqualität empfinden wir als unzureichend, um das Mindeste zu sagen.
Gerade erst fiel bei uns die SOS-Funktion aus, etwas, das serienmäßig ins Auto eingebaut wird, wir aber gar nicht brauchen. Nun müssen wir mit einem noch recht neuen Auto, gerade einmal vier Jahre alt, zum Händler zur Diagnose und vermutlich Geld bezahlen, um das wieder herrichten zu lassen oder, wenn möglich, mit einem Verzicht auf die Funktion das Geld zu sparen. In beiden Fällen sind lästige, überflüssige Werkstattbesuche vonnöten, während man sich fragt, was an diesem Teil überhaupt kaputt gehen kann und wie.
Ähnliches haben wir bereits bei einem Rückruf des seinerzeit noch nagelneuen Autos erlebt. Der Rückruf betraf den Schließmechanismus der Vordertüren. Irre, kannste Dir nicht ausdenken: VW brachte es fertig, Autos zu bauen, aus denen man in voller Fahrt herausfallen konnte, wenn ein Defekt ab Werk nicht behoben wurde. Mit solchen Fehlern könnte man sich glatt im vorigen Jahrhundert wähnen, als Autos gerade die Pferdekutschen ablösten.
VW schrieb damals im Rückruf, es nach Terminvereinbarung in einem Tag zu beheben. Die Werkstatt hatte aber eine Tür nicht am Tag der Reparatur fertig bekommen und zudem noch einen von zwei Teilesätzen ruiniert, für den nicht am selben Tag Ersatz beschafft werden konnte. Erst nach vier Werkstattbesuchen war es schließlich getan, wobei ein Werkstattag auf die Reparatur einer Reklamation zum Wiedereinbau der Türverkleidung entfiel. Noch nicht einmal das war sauber und ohne Funktionsstörung der in der Tür befindlichen Schalter erledigt worden.
Und nocheinmal beim Öl, das sich beim T6.1 in bestimmten Konstellationen mit Dieselkraftstoff vermischt und so unerwünschterweise verdünnt wird. Ein klarer Konstruktionsfehler, der sich nur durch ein Softwareupdate und eine Befüllung mit weniger Öl als ab Werk eigentlich vorgesehen kurieren lässt. Auch hier wieder: Ultramoderne Motorentechnik trifft auf »Fachleute«, die offenbar grundlegende Dinge ihres Handwerks nicht mehr beherrschen.
Alles in rund vier Jahren der Nutzung eines Fahrzeuges, das in früheren Modellreihen locker zwanzig oder dreißig Jahre ohne größere Mucken fuhr. So etwas möchte man von der industriellen Weltspitze einfach nicht erleben.
Und dann auch noch die freiwillige Aufgabe einer Modellreihe, die einst als »bread and butter« und Urkern der Marke galt.
Unser jüngster Autoerwerb, das E-Auto, ist bereits ein Opel Corsa. Zwischendurch hatten wir bereits einmal einen Dacia Sandero gekauft, den erst ich, dann Sohn Nummer Eins fuhren und der nun Sohn Nummer Zwei befördert. Zu einem vierstelligen (!) Neupreis seinerzeit. Seit wir den Sandero haben, beziffere ich den Preis anderer Autos spaßeshalber in »Sanderos« und nicht in Euro, das lässt die inzwischen absurden Autopreise besser erfassbar werden als die nackten Zahlen. Selbst ein Corsa Electro kostet so zum Beispiel fünf Sanderos. Ein Audi e-tron Q6 SUV kostet zehn Sanderos und so weiter.
Der Sandero fährt nunmehr vierzehn Jahre gänzlich ohne Mucken und kommt stets mühelos über den TÜV, munter immer weiter. Ich habe lediglich zweimal jeweils rechtzeitig die Batterie getauscht. Letzteres übrigens etwas, das bei einem VW oder Mercedes bei weitem nicht so einfach gelingt.
Die deutsche Autoindustrie könnte einem glatt den Spaß am Fahren verderben, wären da im Augenblick nicht der E-Corsa und der T6.1. Aber: Das eine Fahrzeug wird den Anschluß an die Konkurrenz verlieren, wenn Opel nicht bald nachlegt und das andere Fahrzeug wurde vom Hersteller glatt aufgegeben. Ich sehe schon: Vermutlich werden wir von den deutschen Herstellern bald gänzlich weggeekelt werden. Vielleicht wird es dann eben ein Auto aus Frankreich oder so.
Deutsche Autohersteller müssen sich nicht wundern, sollten ihnen Kunden und Fachkräfte gleichermaßen davonlaufen. Volkswagen macht gerade wieder mit geplanten Massenentlassungen und möglichen Werksschließungen von sich Reden.
Na dann gute Nacht deutsche Autoindustrie.
Bild:
Sagres, Portugal, Juni 2022
Kodak Portra 160, Summicron-M 28
© Ulrich Hilger
Mir geht es nicht besser- Jahrzehnte lang habe ich einen Citroen gefahren, AX, ZX, Saxo, Berlingo- nun sind die Kinder aus dem Haus und ich habe einen Citan gekauft- Eigentlich nur, weil die Berlingos in der LKW Ausführung (2 Sitzer) als Beifahrersitz nur einen relativ harten Notsitz haben. gefahren habe ich die französischen Diesel alle über 250000km- und dann verkauft. Der Citan: keine Ablage auf dem Armaturenbrett (der Kangoo hat's) keine Haken für Kittel, Jacke, Hundeleine an der Trennwand, die Türfächer sind so gearbeitet, das schwerere Gegenstände beim Zuschlagen der Tür rausfallen, Das Fach auf der Mittelkonsole erschwert das Angurten (Übung!!) Die Nachleuchteanlage geht nicht an, wenn man den Schlüssel abzieht und aussteigen will, Der Motor braucht teures 0W20 ÖL- Intervall 10000km. Der Regensensor ist eine Katastrophe und ich hätte gern die Intervallschaltung vom Trabant (!) zurück. Einziges Plus: der Motor braucht etwa 0,5 Liter weniger auf 100km. Viele der Mängel hat der Renault Kangoo nicht- obwohl beide im selben werk hergestellt werden. Wer jetzt sagt:"hättest Du VW gekauft"- in der Ausstattung etwa 6000 Euro teurer als Renault, Mercedes oder Stellantis (Opel, Citroen, Peugeot, Fiat)- for what? der nächste wird ein Renault.
Ja, bei anderen Herstellern ist es zum Teil auch nicht besser. Eine Schande. Einstweilen fahren wir zwar VW bzw. Opel, aber wer weiß, wie lange unsere aktuellen Fahrzeuge und die Hersteller das noch möglich machen bevor es uns zu bunt wird. Der E-Corsa ist geleast, d.h. ohnehin von vornherein nur befristet im Einsatz, bevor bald wieder neu über Ersatz nachgedacht werden muss. Es wird nach Ablauf der Leasingdauer definitiv wieder ein E-Auto, aber welcher Hersteller die Nase vorn hat, wird sich dann zeigen. VW hat schonmal ganz schlechte Karten. Renault habe ich auch »auf dem Zettel«..
Copyright © Ulrich Hilger, alle Rechte vorbehalten.