7. Janaur 2026
Das neue Jahr beginnt, wie das vergangene aufhörte. Politiker reden Unsinn. Es ist inzwischen Standard, eine angebliche Wirtschaftskrise herbeizureden, aber dann keinerlei Vorschläge zu machen, wie diese angebliche Krise mit Mitteln der Wirtschaft zu bewältigen sei.
Die Erzählung von einer angeblichen Krise aufrecht zu erhalten ist ein gutes Mittel, Ideen für den Umbau unseres Landes wie zum Beispiel Energiewende, Klimaschutz, Besteuerung von Reichen und Unternehmen, Investitionen in Bildung, uvm. gar nicht erst aufkommen zu lassen.
Nie wird bei diesem Gejammer konkret darauf eingegangen, wie diese angebliche Krise eigentlich genau aussieht. Es werden immer nur angebliche Folgen bzw. Anzeichen der angeblichen Krise genannt, wie zum Beispiel stagnierendes Wachstum, schlechte Umsätze, Arbeitsplatzabbau, uvm.
Und dann werden die üblichen angeblichen Ursachen ausgepackt: »Zu hohe« Kosten, »zu hohe« Steuern, »zu hohe« Belastungen durch soziale Systeme. Niemandem scheint aufzufallen, dass jede dieser angeblichen Ursachen überhaupt nichts mit der Tätigkeit eines Unternehmens zu tun haben.
Es wird nie die Frage gestellt: Was bitteschön haben Rente oder Lebensarbeitszeit oder angeblich »blaumachende« Arbeitnehmer mit einer angeblichen Wirtschaftskrise zu tun?
Als ob die Entscheidung einzelner Rentner, noch vier oder fünf Jahre weiter zu arbeiten, in aller Regel auf Teilzeit und auf der »Sparflamme« weniger Wochenstunden, oder der Schnupfen eines Arbeiters etwas daran ändern kann, dass VW oder Thyssen oder Bayer Werke schließen.
Ich würde gern einmal erleben, dass ein Unternehmer einen einzigen Vorschlag macht, der die eigene Unternehmenstätigkeit betrifft wie beispielsweise Investitionen in neue Maschinen, Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern, Entwicklung besserer Produkte, Erfindung neuer Herstellungsprozesse oder die Einführung neuer IT-Systeme und Technologien.
Wenn gesagt wird, dies alles seien Bestandteile der unternehmerischen Freiheit, die die Öffentlichkeit nichts angehen, dann muss die versammelte Unternehmerschaft mitsamt der Politiker, die sie fortwährend hofieren, umgekehrt auch anerkennen, dass die Instititutionen unserer Gesellschaft sie ebenfalls nichts angehen.
Es muss aufhören, dass Unternehmer und Politiker der Öffentlichkeit bei jeder sich bietenden Gelegenheit vormachen wollen, die Kosten des Sozialstaats hätten Schuld an irgendeiner angeblichen Krise der Wirtschaft. Wie gut oder schlecht unser Sozialstaat funktioniert, wie hoch dessen Kosten sind oder was man daran besser machen kann, ist im Zusammenhang mit angeblicher »Wirktschaftskrise« nicht zu diskutieren. Das ist reinster Whataboutism. Ablenkung vom Thema.
Es liegt in der Hand eines jeden Unternehmers und einer jeden Führungskraft, ihre unternehmerischen Freiheiten darauf zu verwenden, unternehmerischen Erfolg zu erzielen. Die Rahmenbedingungen eines Landes wie zum Beispiel Deutschland können unmöglich dabei im Wege stehen. Jene Rahmenbedingungen hierzulande sind im Gegenteil bedeutend besser als in den meisten Teilen der restlichen Welt. Verglichen mit dem Rest der Welt befinden wir uns hier auf einer Insel der Glückseligen, auch und gerade, was Unternehmen anbelangt.
Von diesem Umfeld aus können Unternehmen gedeihen. Jedes Unternehmen, das meint, es könne in China oder den USA mehr Erfolg erzielen steht es frei, es dort zu versuchen.
Unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung gilt auch für Unternehmen, sonst entstünde eine Diktatur der Monopole. Völlig klar, dass Unternehmen alle beschränkenden Einflüsse zu bekämpfen suchen.
Competition is for losers. - Peter Thiel
Politiker wie Markus Söder oder Friedrich Merz dürfen sich nicht so unverhohlen vor den Karren von Unternehmen spannen lassen. Sie sind allen Menschen im Land Unterstützung schuldig und auch Unternehmen müssen ihren Beitrag leisten, wenn sie die Annehmlichkeiten hierzulanden nutzen wollen.
Wenn Merz oder Söder wirklich etwas fertiggebracht haben, dürfen sie sich gern zu Wort melden. Ihre Märchenstunde von der Krise ist unterdessen ein ebenso alter Hut wie das Märchen, der Sozialstaat habe Schuld und erfordere einen Umbau.
Frohes Neues Jahr!
Bild: Manche sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht.
Savudrija, Juni 2023,
Kodak Portra 160, Summicron-M 28
© Ulrich Hilger
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