1. April 2023
Die Funktion ist zwar nicht so häufig vonnöten, aber hilfreich ist es schon, dass Webseiten aus dem Browser heraus bei Bedarf lokal gespeichert werden können.
Manchmal soll eine gerade entdeckte Information im Web auch später noch im Zugriff sein. Ist dann der Server nicht mehr da oder das Gesuchte aus anderem Grund am Ursprungsort nicht mehr zu finden, wäre die Information verloren. Das Web als solches sowie Links oder Lesezeichen dorthin allein genügen für die Zusammenstellung von Informationen nicht.
Heute jedoch hat Firefox wohl einen schlechten Aprilscherz versucht und das Speichern auf einmal verweigert. Jeglicher Versuch einer lokalen Ablage beliebiger Webseiten war nicht mehr möglich. Keine Meldung, kein Hinweis auf die Ursache. Am Ende blieb nichts anderes als Chromium zu installieren, damit geht das Speichern unverändert.
Beim Versuch, die Lesezeichen aus Firefox zu exportieren dann dasselbe Verhalten. Nichts. Keine Meldung, keine Reaktion und schon garkeine exportierten Lesezeichen. Ich hatte zwar noch ältere Backups, aber die neuesten Lesezeichen sollten nicht verloren sein (übrigens eine weitere Sache: Warum gibt es eigentlich keine elegantere Möglichkeit, die Lesezeichen des Browsers regelmäßig zu sichern?).
Wie also lassen sich die aktuellen Lesezeichen von Firefox dennoch zurückgewinnen? Eine Recherche ergibt, dass Firefox Lesezeichen in einer SQLite-Datei lokal speichert. Auf dem aktuellen Ubuntu ist das die Datei places.sqlite im Ordner
/home/username/snap/firefox/common/.mozilla/firefox/3hwbdy7c.default
wobei der Bestandteil 3hwbdy7c im obigen Pfad von Firefox selbst gebildet wird und also variiert.
Also flugs den JDBC-Treiber für SQLite heruntergeladen und mit dem Programm SQL Workbench/J die Datei geöffnet. Die Lesezeichen finden sich dort in den Tabellen moz_bookmarks und moz_places und sind verknüpft von moz_bookmarks.fk zu moz_places.id. Ein select auf diese Tabellen liefert eine Liste der Lesezeichen, die schließlich als Textdatei exportiert werden kann. Die aktuellen Lesezeichen sind ersteinmal gesichert. Nun muss nur noch eine Idee her, wie sich eine Sicherung der Lesezeichen von Chromium wohl automatisieren ließe.
Was sonst noch auffällt ist, dass Chromium Webseiten spürbar schneller anzeigt als Firefox. Auch, wenn mir der Browser eigentlich lieber ist, wird wohl so schnell der Wechsel zurück zu Firefox nicht erfolgen.
Nachtrag (2.4.23): Mit Ubuntu legt Chromium die Lesezeichen lokal in einer Datei namens Bookmarks im folgenden Ordner ab:
/home/nutzername/snap/chromium/common/chromium/Default
Praktischerweise ist es eine JSON-Datei.
Nachtrag (3.4.23):
Wie hier und hier zu lesen, ist das Problem die Installation von Firefox als Snap-Paket. Ich habe mich selbst noch nicht näher mit dieser Art der Software-Verteilung beschäftigt, aber mitbekommen, dass Canonical, der Hersteller von Ubuntu, diese Technologie einsetzt.
Wird die Linux-Variante des Firefox einfach direkt von Mozilla heruntergeladen und diese Fassung gestartet, funktioniert alles wie gewohnt. Da allerdings die Snap-Variante von Firefox die Lesezeichen einfach nicht hergeben will, muss die oben erwähnte Datei places.sqlite von Hand an die richtige Stelle verschoben werden. Der Ablageort von Lesezeichen für die von Hand installierte Firefox-Variante ist
/home/[nutzername]/.mozilla/firefox/[von-firefox-gewaehtle-codierung].default-release
Interessanterweise läuft die auf die herkömmliche Weise installierte Version von Firefox dann auch wie gewohnt schnell und steht dem Laufzeitverhalten von Chromium in nichts nach. Eigenartig, dass das mit dem Snap-Paket anders ist. Ich habe jedenfalls das Snap-Paket wieder ganz deinstalliert und werde in Zukunft darauf achten, Installationen als Snap-Paket zu vermeiden.
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