Zahlen am Montag

25. Mai 2021

 

foto Eine weitere Woche ist um und wir widmen uns hier wieder der Frage, wie diese Zeit genutzt wurde. In einer Woche wird so viel in den Medien berichtet, dass man kaum nachkommt, die Fakten von den Märchen zu trennen. Heute wegen des Pfingsmontages allerdings mal am Dienstag.

Also wie war das gleich vor einer guten Woche? Der letzte Beitrag war just geschrieben, als der Gesundheitsminister die Aufhebung der Impfpriorisierung zum 7. Juni 2021 mitteilte. Für alle ab 16. Aber was bedeutet es, wenn weitere 1.529.820 Menschen im Alter von 16 und 17 Jahren ab Juni einen Impftermin möchten? Das blieb seither im Dunkeln.

Hier also der neueste Stand und zugleich die Angabe, die auf der offiziellen Seite noch immer fehlt:

Mit dem Tempo von gegenwärtig rund 670.000 täglichen Dosen sind
am 2. November 2021 alle Menschen ab 16 zweimal geimpft.

Vor diesem Hintergrund können die Angaben von Jens Spahn im Reich der Phantasie eingeordnet werden:

In drei Wochen sollen sich nach Plänen der Bundesregierung alle Menschen in Deutschland einen Corona-Impftermin besorgen können - ohne die noch geltende feste Reihenfolge.
(tagesthemen zu Aussagen von Jens Spahn, 17. Mai 2021)

"..wir haben in diesen drei Wochen noch 15 Millionen Erst- und Zweitimpfungen, können also noch viele Menschen mit Priorisierungen impfen und dann im Juni den nächsten Schritt gehen."
(Jens Spahn, tagesthemen, 17. Mai 2021)

Es sind 20 Tage vom 18. Mai bis zum 6. Juni. In dieser Spanne wurden zuletzt 14 Mio. Dosen verabreicht. Nicht 15 Mio. In der vergangenen Woche waren es knap 4,7 Mio. Dosen. Bis 6. Juni müssten 10,3 Mio. Dosen verimpft werden, damit die von Herrn Spahn postulierte Menge erreicht wird.

Anmerkungen

Das Impftempo bestimmt die Frage, wie viele Menschen in drei Wochen geimpft werden. Die Messung und der Einbezug des Impftempos darf in der Planung nicht fehlen.

An dieser Stelle geht es nicht darum, über das Impftempo zu jammern. Es geht um die fehlende Berücksichtigung des Impftempos und die Richtigstellung irreführender Behauptungen. Einer Ankündigung folgten bislang keine Taten, wie das Impftempo zeigt.

Es ist seit einiger Zeit nicht mehr möglich, gewisse 'seriöse' Berichterstattung zu verfolgen ohne erleben zu müssen, dass Behauptungen von Amtsträgern unreflektiert und unkommentiert verbreitet werden. Neuerdings werden dafür sogar Preise verliehen.

Es mehren sich schon jetzt, vor Aufhebung der Priorisierung, die Stimmen, dass trotz Berechtigung und vielfacher Anfrage keine Termine erhältlich sind. Arztpraxen werden überrannt und bekommen nicht die Menge Impfstoff, die dem Ansturm gerecht würde.

Vom Gesundheitsminister kommt dazu nur die lapidare Aussage, man könne eben nur das verimpfen, was zur Verfügung steht. Das Ministerium ist aber verantwortlich für die Beschaffung von Impfstoff. Wenn nicht genügend Impfstoff für ein höheres Impftempo erhältlich ist, dann weiß vor allen anderen im Land Herr Spahn selbst am besten, welche Termine realistisch sind.

Uns fehlen klare Antworten. Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrates nennt die einfache Maßnahme: Es sei wichtiger, bereits jetzt eine möglichst breite Impfkampagne vorzubereiten und gleich Termine zu nennen, auch, wenn es bis zum Termin noch etwas dauert. Sie trifft den Nagel auf den Kopf:

"..wenn ich weiß, dass ich in ein paar Wochen einen festen Termin habe, dann lässt sich das deutlich besser aushalten, als diese ewige Ungewissheit." (Alena Buyx, tagesschau.de, 18. Mai 2021)

Anstelle des nicht haltbaren Versprechens, jeder könne sich demnächst einen Impftermin "besorgen" benötigen wir Taten, die das ermöglichen.

Anhang: Das Kleingedruckte

Folgende Zahlen liegen der Betrachtung zugrunde:

Annahme: Es benötigt zwei Impfungen, d.h. die geringe Zahl an Einmal-Impfungen mit dem Wirkstoff von Johnson & Johnson bleibt ausser Acht.





 

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