Seufzerbrücke

27. April 2017

 

foto Instagram vermeldet 700 Millionen aktive Nutzer monatlich, Tendenz rasant steigend, läßt sich bei heise online lesen. Mit der enormen Zahl ist zu erahnen, wie viele Bilder allein dort zusammenkommen, bestimmt Milliarden jeden Monat. Nicht verwunderlich, dass von nahezu jedem Ort bereits Fotografien zugänglich sind, man müsste nicht selbst zur Kamera greifen.

Natürlich tun wir es trotzdem, Fotografien entstehen aus verschiedenen Gründen wie zum Beispiel dem Wunsch, das eigene Dasein zu dokumentieren, die in der eigenen Erinnerung vergänglichen Ansichten festzuhalten.

Solche Bilder oder sollte ich sagen Erinnerungen mit anderen zu teilen ist gerade mit Diensten wie Instagram oder flickr reizvoller denn je. Natürlich sind dabei Aufnahmen von beliebten Orten ziemlich inflationär. Am Potsdamer Platz ist es noch nicht ganz so, aber in Venedig muss man an bestimmten Stellen eine Nummer ziehen bevor man für ein Foto dran kommt.

Das Foto als Erinnerung gegenüber dem Foto als Foto.

Gewiß ist auch dies Geschmackssache aber sind wir mal ehrlich, eine Fotografie der Seufzerbrücke ist jetzt nicht so spannend wie das Gewühl vor Ort vermuten ließe. Das Bauwerk ist eine Sehenswürdigkeit, aber warum eigentlich? Ich gebe mich jetzt mal als Schnösel zu erkennen wenn ich sage ich bin achtlos daran vorüber gegangen. Mich über den Andrang vor dem fraglichen Objekt wundernd und zur Seite blickend geriet ebenda unversehens das aufs Bild.

Eine Fotografie als Erinnerung an die Seufzerbrücke kann sehr unterschiedlich ausfallen wie man sieht. Und gleichzeitig ist man bei aller Beobachtung der Welt um sich herum nicht frei vom Wunsch, das eigene Tourist-sein auszuleben und im Bild zu bannen. 

foto foto foto foto

Die eine Art von Fotografie darf und kann jederzeit als Erinnerung dienen. Die andere Art ebenso, bleibt aber wohl von der Welt weitgehend unbeachtet und zieht schon bei deren Entstehen wahlweise besorgte, mißtrauische, irriterte, belustigte oder auch verärgerte Blicke der Mitmenschen auf sich.

Aber so ist es eben. Fotografieren ist am schönsten, wenn es ganz für mich geschieht. Und dann kann eigentlich kaum jemand sonst Interesse daran haben. Muss ich die Bilder dann eigentlich noch mit anderen teilen? Unbedingt, das haben sie verdient und es darf gern wegsehen, wer kann.

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