Usedom, 15. - 25. Januar 2026: Deutschlands nordöstlichster Winkel im Winter.

Vorbemerkungen

Zwei Wochen nach Neujahr, so früh im Jahr waren wir noch nie unterwegs. In diesem Jahr ist der Winter so richtig winterlich mit Schnee, Eis und Temperaturen unter Null. Dennoch hatten wir uns vorgenommen, uns für einige Tage auszuklinken.

Die ganzen Vorweihnachts-, Weihnachts- und Neujahres-Rituale waren durch. Alle sonstigen und insbesondere neu hinzugekommene Verpflichtungen waren absolviert und aufgegleist. Wir hatten tatsächlich seit längerem einmal nichts weiter zu tun. Oder zumindest war da endlich einmal nichts, was sich nicht auch auf einen beliebigen anderen Zeitraum schieben ließ.

Dieses Jahr möchten wir, wenn denn alles so klappt, mehr Zeit mit dem Reisen verbringen als je zuvor. Aber den Anfang sollte eine vergleichsweise kurze Spanne von zehn Tagen machen, allein schon, da die Zeit im Jahr sich noch nicht für allzu große Draußenaktivitäten oder gar Camping empfahl.

Es ging mehr um Ruhe, Abgeschiedenheit und Gemütlichkeit. Die Insel Usedom im Winter erschien uns dafür als ein guter Kandidat und anstelle von Camping wollten wir ausnahmsweise die Zeit in einer Ferienwohnung verbringen.

Übrigens: Die Reiseberichte auf »Die Ferne« sollen eigentlich unser Vagabundendasein auf Campingtouren mit dem Bulli beschreiben, weswegen diese Reise streng genommen da nicht dazugehört. Für eine lückenlose Reisedokumentation allerdings ist der Bericht dennoch aufgenommen, immerhin sind wir ja mit dem Bulli hingefahren.

Frankfurt - Bansin

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Einräumen und weitere Vorbereitungen tags zuvor waren ein wenig ungewohnt, es musste deutlich weniger vorbereitet und eingepackt werden. Es ist noch stockdunkel zu dieser Jahreszeit, als wir morgens Punkt sechs Uhr losfahren, heute liegt eine Strecke von 852 Kilometern vor uns. Es geht über die A66, A5, A4 und weiter auf A9, A10, A11, A20.

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Bild 1. Winterlandschaft im Morgennebel irgendwo an der Autobahn

Es sind schon gleich zu Beginn viele Lastwagen unterwegs, es regnet sehr und die Fahrt gestaltet sich bei diesen Verhältnissen in der Dunkelheit recht anstrengend. Später bei Helligkeit geht es besser, allerdings ist die Verkehrsdichte mit LKW die ganze Fahrt über beträchtlich.

Hinter Berlin geht es besser, aber das letzte Stück bis Kreuz Uckermark und weiter auf der A20 und Landstraßen bis Bansin zieht sich und kostet Zeit. Wie auch immer, wir haben es nicht eilig und sind nach reichlich Pausen um 16 Uhr da.

Die Anfahrt auf der A20 lässt übrigens viele Abzweige Richtung Usedom zu. Auf dem Hinweg sind wir lange auf der A20 geblieben und ganz zuletzt Landstraße über Wolgast gefahren. Das waren ca. 50 Kilometer bzw. ca. eine halbe Stunde mehr als von Südosten kommend möglich wäre. Ein Versuch des Vergleichs mit der zwar insgesamt kürzeren Strecke über Anklam, die nur ca. 805 Kilometer beträgt, aber mehr Landstraße und entsprechend weniger Autobahn umfasst. Auf dem Rückweg fahren dann diese Variante.

Eine kurze Schlüsselübergabe und schon sind wir am Umräumen unserer paar Sachen vom Auto in die Wohnung. Eine Übung, auf die wir beim Camping sonst verzichten dürfen. Es ist schon wieder stockdunkel, während wir am Abend unweit der Ferienwohnung für einen Teller Penne all’arrabiata ins Café Florian einkehren.

(Do, Tag 1: Frankfurt - Bansin)

Usedom

Anders als bei unseren Campingreisen mit dem Bulli werden wir hier die ganze Zeit an einem Ort verbringen, nur gelegentlich kleinere Ausflüge sind geplant. Entsprechend anders ist der Reisebericht in diesem Punkt abgefasst.

Die einzelnen Tage vergehen sehr einförmig, das haben wir bewußt so eingerichtet. Nicht viele Aktivitäten oder Attraktionen. Der Tagesablauf beginnt stets so zwischen Sieben und Acht. Gemütliche Kaffe-Zeit mündet in ein spätes Frühstück.

Wegen der frühen Dunkelheit ist überall noch viel weniger los als bei dem spärlichen Tageslicht ohnehin schon. Wir beschließen, unsere Besuche in Lokalen für diese Reise auf die Mittagszeit zu verlegen, haben aber mit wenigen Ausnahmen fast jeden Tag ein Mittagessen irgendwo in einem Lokal eingenommen, vollkommen untypisch für unseren sonstigen Reisen, die sonst immer von 90% Selbstversorgung geprägt sind. Aber so passte es besser zu dieser rundum ruhigen Reise.

In aller Regel sind wir an jedem Tag noch vor der Jahreszeit entsprechend früh einsetzenden Abenddämmerung zurück in der Ferienwohnung, wo wir es uns für den Rest des Nachmittages und Abends nach der bitteren Kälte und dem schneidenden Wind draußen richtig gemütlich machen.

Die folgenden Abschnitte beschreiben mit diesem gleichförmigen Tagesablauf im Sinn lediglich die teilweise spärlichen Unternehmungen, die wir draußen unternommen haben. Die Hauptattraktion dieser Draußenaktivitäten war jeden Tag die Natur am Meer, der Strand, die Weite und die weitenteils vorherrschende Einsamkeit zu dieser Zeit im Jahr.

Quasi Entspannung pur mit jedem Atemzug und dennoch verging die Zeit auf Usedom wieder wie im Fluge.

Freitag, 16.1.2025

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Bild 2. Im Winter menschenleer: Der Ostseestrand auf Usdeom

Auf einen Strandspaziergang bis Heringsdorf folgte das Schlendern die Seebrücke von Heringsdorf bis zum pyramidenförmigen Bau am Ende und zurück nebst einem Kaffee im dortigen Lokal »Ponte Rialto«.

Wir lassen dem Besuch der Seebrücke noch einen Rundgang um den zentralen Platz in Heringsdorf folgen und kommen an unserem Lieblingslokal »Da Claudio« vorbei, aber das gibt es leider nicht mehr. Es wird scheinbar in ähnlicher Form unter anderem Namen weitergeführt, aber das haben wir auf dieser Reise nicht ausprobiert.

Schon auf dem Hinweg kam die Sonne heraus und begleitet uns den ganzen Rückweg. Wir noch öfter während der Tage auf dieser Reise laufen wir noch für frische Zutaten beim Rewe und beim Bäcker vorbei und kehren dann vor Einbruch der Dämmerung zurück in die Wohnung.

(Fr, Tag 2 von 11 auf Usedom)

Samstag, 17.1.2026

Heute führt uns ein weiterer Strandspaziergang in die andere Richtung entlang der Steilküste nördlich Bansins bis vor Ückeritz und Loddin. Zurück an der Seebrücke von Bansin gehen wir diese Seebrücke auch noch einmal auf und ab, bevor abermals der hiesige Bäcker frequentiert wird.

Auf unserer Suche nach einem späten Mittagstisch laufen wir zunächst herauf ganz bis zum Fischlokal »Inge Lotte«, das aber macht aber erst um 16 Uhr auf, also nichts für Mittags. Nahe der Strandpromenade gibt es ein indisches Lokal, das bei näherem Hinsehen keinen so einladenden Eindruck erweckt. Wir landen schließlich gegenüber bei »Gosch«.

Danach wieder zurück in der Wohnung beginnt der gemütliche Teil, während es draußen schon wieder dunkel wird. Ein Unterschied dieser Reise: Wir benutzen den Fernseher der Ferienwohnung zum Nachrichten anschauen. Auf Campingreisen lesen wir sonst immer tagesschau.de.

(Sa, Tag 3 von 11 auf Usedom)

Sonntag, 18.1.2026

Es verspricht schon vor Sonnenaufgang ein klarer Tag zu werden, dafür deutlich kälter.

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Bild 3. Besser als jede Wetterprognose: Der Blick aus dem Fenster

Später unternehmen wir abermals eine Strandwanderung nach Heringsdorf. Auf dem Rückweg besuchen wir für ein spätes Mittagessen das Café Asgard, das laut eigener Angabe das älteste Kaffeehaus auf Usedom ist und seit 1898 Gäste bewirtet. Es läuft Hans Albers im Hintergrund in Dauerschleife, irgendwie passend und schön. Mit uns sind nur wenige andere Menschen da.

Wieder lassen wir anschließend noch einen Abstecher zum Bäcker und einen Gang auf die Bansiner Seebrücke bei letztem Sonnenlicht und scharfer Kälte folgen. Obwohl es ein Sonntag ist, sind wir auch hier wieder nahezu allein unterwegs.

Lange halten wir es nicht aus im strengen Wind und es zieht uns zurück in die warme Ferienwohnung.

(So, Tag 4 von 11 auf Usedom)

Montag, 19.1.2026

Das Wetter ist wieder bombig, bleibt aber bei so klarem Himmel besonders kalt. Wieder ist ein schöner Sonnenaufgang zu sehen und das Wetter soll sich noch zwei, drei Tage so halten.

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Bild 4. Der zugefrorene Schloonsee

Unser täglicher Spaziergang führt uns heute zur Schlüsselübergabestelle ein ganzes Stück weiter oben im Ort. Auf dem Hinweg hat uns die Verwalterin vor Ort empfangen aber bei der Rückkehr brechen wir so früh auf, dass wir den Schlüssel einfach in den Briefkasten werfen können und diese Örtlichkeit möchten wir erkunden, damit wir am Morgen unserer Rückfahrt nicht herumsuchen müssen.

Der Rewe liegt auf halbem Weg zurück und wir nutzen dies für den Einkauf weiterer Kleinigkeiten. Dieses Mal biegen wir allerdings nach dem Einkauf ab und gehen weiter zum nahegelegenen Schloonsee, dessen naturschönes Areal sich hinter der Häuserreihe entlang der Uferpromenade erstreckt. Ein Café dort ist sehr schön direkt am Ufer gelegen, allerdings erweist sich das Lokal sowie das ganze Areal drumherum als im Bau befindlich und nicht geöffnet.

Zu Mittag kehren wir stattdessen im Restaurant »Banzino« ein, bringen anschließend die Einkäufe in die Wohnung und brechen noch für einen weiteren Spaziergang am Strand auf. Der Wind ist noch kälter und schneidender geworden, besonders auf dem Sand und am Wasser.

(Mo, Tag 5 von 11 auf Usedom)

Dienstag, 20.1.2026

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Ich bin so lange Aufenthalte am selben Ort nicht mehr gewohnt. Machten wir Camping, zögen wir heute weiter an einen neuen Ort hier im Zielgebiet. Für eine kleine Luftveränderung brechen wir stattdessen heute zu einem Ausflug auf.

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Bild 5. Am Ufer von Neppermin

Erst geht es nach Neppermin. Es ist deutlich weniger Wind, was eine gemütliche Wanderung viel angenehmer macht als gestern. Wir spazieren am sehr schönen und heute strahlend sonnigen, zugefrorenen Ufer des Nepperminer Sees entlang. Das ist eigentlich kein See sondern die Wasserfläche, die von Peenestrom und Achterwasser kommend die dem Meer abgewande Seite der Insel Usedom an dieser Stelle umgibt.

Danach fahren wir nach Swinemünde auf der polnischen Seite. Kurz vor der Grenze halte ich für einen Moment, um unsere Pässe hervor zu kramen, was die Grenzer prompt veranlasst, uns zu kontrollieren. Ich scherze mit einem Beamten, er habe uns doch nur kontrolliert, weil wir vor der Grenze kurz anhielten und füge schmunzelnd hinzu, nur angehalten zu haben, damit wir im Falle der Kontrolle die Pässe zur Hand haben.

Wir dürfen passieren und sind so ziemlich die Einzigen, die hier entlang fahren. Erst näher der Stadt ist mehr Betrieb auf den Straßen und wir fahren direkt zum Anleger der Adler Schiffe, wo sich ein nahezu leerer Parkplatz mitsamt zweier gelangweilter Parkwächter befindet.

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Bild 6. Entlang der Swina

Ein Parkschein für zwei Stunden kostet ein paar Zloty, was wir aber mitsamt der Parkmarke nur dank des Einsatzes der Google Translate App herausfinden. Diese zeigt unter Einsatz der Handykamera in Echtzeit das, was auf dem Monitor des Parkautomaten in polnischer Sprache erscheint auf dem Bildschirm des Handys in Deutsch. Natürlich haben wir auf einem solchen Kurzbesuch nicht eigens Landeswährung dabei, mit NFC Payment und Apple Pay reicht auch zur Zahlung das Handy.

Schon auf dem Weg entlang der Swina blicken wir nochmals zurück und sehen aus der Ferne einen der Parksheriffs eingehend unser Ticket kontrollieren. Es hat wohl alles seine Richtigkeit, heute kein »Knöllchen« für uns, Mr. Sheriff und danke, Google.

Die Sonne spiegelt sich auf der durchgehenden Eisfläche, gleißend hell ist es während unseres Weges am Ufer der Swina, der uns vom Anleger der Adler Schiffe bis fast zur Mündung führt. Große Fährschiffe nach Schweden legen vom anderen Ufer ab und wieder an und eine Auto- und Personenfähre quert unweit regelmäßig den Fluß. Es sind nur wenige Passanten unterwegs.

Auf dem Rückweg fahren wir quer durch Swinemünde und über Ahlbeck und Heringsdorf zurück nach Bansin. Auf der Straße stadtauswärts ist ebenfalls ein Grenzübergang, an dem wieder Grenzer postiert sind, aber wir können dieses Mal ohne Kontrolle durchfahren.

(Di, Tag 6 von 11 auf Usedom)

Mittwoch, 21.1.2026

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Bild 7. Das Meer fängt an zuzufrieren

Heute gegen Mittag wieder ein Strandspaziergang nach Heringsdorf. Es ist strahlend sonnig, aber so eisig draußen, dass bereits das Meer beginnt zuzufrieren. Zum Glück haben wir unsere Thermokleidung dabei, vermummt wie Marsmenschen bewegen wir uns durch das widrige Wetter.

Ein spätes Mittagessen gönnen wir uns auf der Seebrücke, dieses Mal einfach nur Pizza im »Ponte Rialto«. Zwei Tische weiter hustet eine Frau ununterbrochen wie wild. Bronchitis oder so. Hoffentlich steckt sie niemanden an.

Heute sehen wir auf dem Heimweg schon in Heringsdorf beim Bäcker herein und gehen dann - das Licht auf dem Strand ist schon weg - auf der Promenade im eisigen Schatten zurück nach Bansin.

(Mi, Tag 7 von 11 auf Usedom)

Donnerstag, 22.1.2026

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Draußen wird es gerade so hell, das Meer ist sehr aufgewühlt, laute Brandung, hohe Wellen, Wind kommt auf, schon seit gestern Abend. Da ist man froh, nicht auf See sein zu müssen.

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Bild 8. Der Markt in Wolgast

Ein weiterer Ausflug führt uns später am Tag heute nach Wolgast, von Bansin ca. eine halbe Stunde mit dem Auto.

Wir parken am Peene-Ufer, gehen zu Fuß zur Kirche und zum Rathausplatz hinauf, wo gerade Markt ist. Beste Gelegenheit, frische Brötchen zu kaufen. Wieder unten am Peene-Ufer haben wir Glück, um 12:45 kommt ein großer Frachter und wir können beim Öffnen und Schließen der Klappbrücke zusehen, die - Schiffsverkehr vorausgesetzt - immer zur vollen Stunde öffnet.

Später ein Mittagessen im chinesischen Lokal »Peking« mit schönem Blick aufs Wasser des Museumshafen Wolgast. Wir sind die einzigen Gäste, wie auch draußen weit und breit kaum jemand sonst anzutreffen ist. Morgen fällt mal das Mittagessen aus.

Zurück zum Auto und Rückfahrt mit Zwischenstopp in Koserow. Erstmal Volltanken dort, auch für die Rückfahrt. Diesel kostet zur Zeit stolze 1,79 €. Wir machen noch einen Abstecher zum dortigen Ortskern und der Seebrücke, beschließen aber, weiterzufahren, da wir auch keine Kurkarte für Koserow kaufen wollen für die kurze Zeit.

Wo wir schon mit dem Auto unterwegs sind, folgt noch ein Stopp bei Rewe für eine größere Menge Wasser sowie weiteren Proviant. Zurück in der Wohnung wird es schon wieder dunkel.

(Do, Tag 8 von 11 auf Usedom)

Freitag, 23.1.2026

Inzwischen zeigt sich, dass die Wetterprognose wohl Recht behält, es wird heute zunehmend wolkiger als die letzten Tage. Schlechtere Sicht, Dunkelheit, Trübnis gehen damit einher, es wirkt wie eine Bestätigung, wie geplant unsere Zelte morgen abzubrechen und übermorgen wieder auf der Heimfahrt zu sein. Ansonsten wirkt das Wetter wieder verstärkt auf das Empfinden, wie gemütlich die Ferienwohnung ist. Warm, toller Blick, nur heraus müssen, wenn irgend nötig.

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Bild 9. Es ist inzwischen so kalt, dass die Ostsee richtig zufriert

Nachdem wir noch verschiedentlich überlegten, heute auf das Winterfest in Ahlbeck zu gehen oder zu fahren, haben wir inzwischen entschieden, dass das Wetter wohl zu ungemütlich dafür wäre. Wir wollen lieber später wieder einen Strandspaziergang machen, aber den Tag ansonsten gemütlich drinnen verbringen.

So machen wir uns schließlich auf zu unserem Spaziergang. Auf dem Strand ist es bitterkalt bei scharfem Gegenwind, weshalb wir auf die Strandpromenade wechseln bis nach Heringsdorf. Simone erwirbt Tee in einem Geschäft auf der Seebrücke.

Zurück in Bansin folgt wieder der Besuch beim Bäcker für Brötchen. Die Absicht, ins Warme zu kommen gelingt aber bei Rückkehr nur bedingt, weil die Heizung ausgefallen zu sein scheint. Als es sich zunehmend auskühlt rufe ich den Hausmeister an, der mich anleitet, die Heizung wieder einzuschalten.

Die Heizkörper werden wieder warm. Simone bereitet einen Tee von dem in Heringsdorf erworbenen, dazu Kuchen vom Rewe.

(Fr, Tag 9 von 11 auf Usedom)

Samstag, 24.1.2026

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Bild 10. Die Kälte und nachlassender Wind sorgen für noch mehr Eis

Es wird langsam heller, der Himmel ist aber wie gestern nur noch grau und dunkel mit Wolken verhangen. Der Wind hat nachgelassen und das Meer direkt am Strand bis zur Kante der Holzwellenbrecher zu Eis werden lassen.

Es scheint noch kälter geworden zu sein, das Meer bildet selbst weiter draußen kleine Eisschollen, die sich zum Strand hin verdichten.

Unser letzter Strandspaziergang dieser Reise beginnt. Die Ostsee ist vor Bansin weithin zugefroren und dick mit Eis uns Schnee bedeckt, wobei die Schneeschicht nur so aussieht wie Schnee. Tatsächlich hat es gar nicht geschneit, das muss alles Meerwasser und Gischt sein, was sich zu Gefrorenem auftürmte. Sogar draußen auf dem offenen Wasser schwimmen dicke Eisschollen, wie von der Seebrücke zu beobachten ist.

Wir laufen erst ein Stück den Strand Richtung Heringsdorf und dann die umgekehrte Richtung einige Zeit Richtung Ückeritz. Schließlich kehren wir um und nehmen die Promenade zurück. Dort befindet sich ein Fischlokal zwischen Strand und unserer Ferienwohnung, das sich aber von Nahem als nicht so einladend erweist. Zum Abschluss besuchen wir lieber noch einmal »Gosch«.

Anschließend kaufen wir die Brötchen für die Fahrt und noch etwas Kuchen für heute. Zurück in der Fewo räumen wir alles zusammen und in den Bus. Die Vorbereitung des Fahrtproviants ist auch bald erledigt. Wir sind startklar, so schnell sind zehn Tage Usedom vorbei.

(Sa, Tag 10 von 11 auf Usedom)

Bansin - Frankfurt

6:20 Uhr. Wir räumen die restlichen Dinge zusammen und ins Auto, dann kann es losgehen. Zunächst folgt die Fahrt zur Schlüsselübergabestelle und die Schlüsselrückgabe per Einwurf im Briefkasten. Um 07:30 Uhr sind wir auf der Rückfahrt und um 15:30 Uhr schon wieder zuhause. Gottlob eine reibungslose Fahrt liegt hinter uns. Nur die üblichen Nervereien der Raser und Irren.

7:30 bis 15:30. So gut wie gar kein LKW-Verkehr. OK, es war auch Sonntag. Wir haben deutlich weniger Pausen und auch keinen Tankstopp gemacht. Vielleicht hat auch das erste Stück bis zur A20 weniger Zeit gebraucht. Die lange Landstraßenfahrerei gleich zu Beginn war - wenn auch so früh am morgen recht stimmungsvoll - aber nicht so schön, wenn man »Strecke machen« will.

Acht Stunden versus zehn Stunden ist ein ziemlicher Unterschied, wäre aber mit der Verkehrsdichte auf dem Hinweg unmöglich zu erreichen gewesen und weniger Pausen haben die verkehrsdichtemäßig weniger stressige Rückfahrt dann auch gleich wieder anstrengender werden lassen.

Was die Fahrerei angeht ist es mit mehr Pausen spürbar gemütlicher und dies der Zeitersparnis vorzuziehen.

Schlussbemerkungen

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Bild 11. Die zu Eis erstarrte Meeresküste

Wieder daheim reiben wir uns einmal mehr verwundert die Augen, wie schnell das ging. Gerade waren wir doch erst losgefahren und nun schon wieder hier.

Wettermäßig hatten wir enormes Glück. Unmittelbar vor unserem Aufenthalt zog ein Schlechtwettergebiet durch, das besonders auch den äußersten Nordosten das Landes mit viel Schnee und Eisglätte traf. Ähnliches geschah nach unserer Rückkehr. Beides hätte unsere Hin- und Rückfahrt extrem beeinträchtigt, wenn nicht ganz und gar verhindert. So aber haben wir zufälligerweise genau die ruhige, sonnige und eisige Phase zwischen diesen Wetterextremen erwischt.

Usedom im Winter war eine ganz neue Erfahrung für uns, die unübertrefflich ruhig und einfach nur als wunderschön zu bezeichnen ist. Nicht nur die geringe Zahl an Menschen, die zu dieser Zeit überall die Örtlichkeiten prägte, auch und besonders die zu Eis erstarrte Küste wird uns eindrucksvoll in Erinnerung bleiben.

Es war die richtige Entscheidung, einmal schon so früh im Jahr zu verreisen. Manches war anders als sonst, aber es fühlte sich alles richtig an.

Nach den Dingen, die hinter uns liegen ein idealer Auftakt zu neuen Fahrten und ein mehr als willkommenes Mittel, um Ruhe und Abstand zu gewinnen. Eine solche Reise haben wir nicht zum letzten Mal unternommen, falls wir es nochmal einrichten können.